
Neues im BvGS-Landscape
Blogartikel zu Landscape der Green-Software-Messwerkzeuge & Zusammenarbeit mit Boavizta
Der Bundesverband Green Software pflegt mit der Landscape eine offene Übersicht über Werkzeuge, mit denen sich die Umweltwirkung von Software messen lässt. Damit diese Sammlung hilfreich bleibt, muss sie kontinuierlich weiterentwickelt werden. Im Juni 2026 sind zwei wichtige Verbesserungen in das Projekt eingeflossen und beide sind in enger Abstimmung mit der französischen Organisation Boavizta entstanden.
Warum ein Landscape für Messwerkzeuge?
Wer die Nachhaltigkeit von Software verbessern will, muss sie zunächst messen können. Inzwischen existiert eine wachsende Zahl an Tools, die Energieverbrauch, CO₂-Emissionen oder andere Umweltindikatoren erfassen. Für Anwender*innen ist es jedoch schwer, den Überblick zu behalten: Welches Werkzeug deckt welche Phase ab? Welche Metriken liefert es? Auf welcher Methodik basiert es? Das Landscape soll genau diese Orientierung bieten als offene, gemeinschaftlich gepflegte Ressource.
Was sich geändert hat
Mit der ersten Änderung wurde das Vorschlagsformular für neue Werkzeuge überarbeitet (PR #45). Ziel war es, die Fragen klarer und schneller beantwortbar zu machen. Die meisten Felder wurden in Auswahllisten (Dropdowns) umgewandelt, und insbesondere zu den abgefragten Metriken und direkten Messungen wurden Beispiele ergänzt. Außerdem wurde eine schwer verständliche Frage zu den Phasen des Software-Lebenszyklus entfernt, da sie für viele Einreichende eher Verwirrung stiftete als Mehrwert schuf. Das Ergebnis: ein Formular, das niedrigere Hürden für Beiträge setzt und gleichzeitig vergleichbarere Angaben liefert.
Die zweite Änderung schafft Klarheit bei den Voraussetzungen für die Aufnahme eines Werkzeugs (PR #49). In der Arbeitsgruppe war diskutiert worden, welche Anforderungen ein Tool erfüllen muss insbesondere mit Blick auf die zugrunde liegende Methodik. Das Ergebnis: Die Methodik eines Werkzeugs muss bei der Einreichung offengelegt und nachvollziehbar erklärt werden. So wird sichergestellt, dass im Landscape nur Werkzeuge geführt werden, deren Berechnungsgrundlage transparent und überprüfbar ist.
Die Zusammenarbeit mit Boavizta
Beide Änderungen sind in Abstimmung mit Boavizta entstanden. Boavizta ist ein französischer Verein, der offene Ressourcen Werkzeuge, Methodiken und Daten für die Bewertung und Reduktion der Umweltwirkung digitaler Technik bereitstellt. Die Organisation versteht sich als „Makers Community", die mit wissenschaftlicher Sorgfalt und einem klaren Fokus auf konkreten Wirkungen arbeitet und ihre Ergebnisse konsequent unter offenen Lizenzen veröffentlicht.
Diese Werte überschneiden sich stark mit denen des Bundesverbands. Konkret wurden im überarbeiteten Vorschlagsformular alle von Boavizta angefragten Kategorien ergänzt, und Mitglieder von Boavizta haben sich aktiv an der Diskussion und Abstimmung der Änderungen beteiligt. Eine solche länderübergreifende Zusammenarbeit ist mehr als ein nettes Beiwerk: Standardisierung und gemeinsame Begriffe sind die Voraussetzung dafür, dass Messwerkzeuge vergleichbar werden und ihre Ergebnisse über Organisationsgrenzen hinweg Vertrauen genießen.
Mitmachen: Wir erweitern das Landscape
Das überarbeitete Formular und die klareren Aufnahmekriterien sind erst der Anfang. Wir möchten das Landscape gezielt um neue Kategorien erweitern und suchen dafür konkrete Vorschläge aus der Community. Im Fokus stehen dabei:
- Rechenzentren, die sich auf die Bereitstellung von Rechenleistung unter Nutzung CO₂-freier Energie spezialisiert haben, sowie CO₂-positive Dienste etwa Scheduling auf Basis der aktuellen Netz-Intensität (Grid Intensity), Transparenz über CO₂-Emissionen und Wasserverbrauch der angebotenen Dienste sowie individuelle Wahlmöglichkeiten bei der Hardware-Lebensdauer.
- AI-Inference-Anbieter, die transparent über die CO₂-Emissionen ihrer KI-Dienste informieren und diese aktiv optimieren.
Wenn Sie ein Werkzeug, einen Anbieter oder einen Dienst aus diesen Bereichen kennen oder selbst betreiben –, freuen wir uns über einen Vorschlag als Issue GitHub. Jeder Beitrag hilft, die Sammlung vollständiger und für alle nützlicher zu machen.
Fazit
Die beiden Änderungen wirken auf den ersten Blick technisch ein überarbeitetes Formular, eine präzisierte README. Tatsächlich verbessern sie aber genau das, worauf es bei einer offenen Ressource ankommt: niedrigere Beitragshürden, vergleichbarere Angaben und transparentere Aufnahmekriterien. Dass diese Schritte gemeinsam mit Boavizta gegangen wurden, zeigt zudem, dass die Green-Software-Community zunehmend grenzüberschreitend zusammenarbeitet. Mit den geplanten neuen Kategorien wollen wir das Landscape nun weiter ausbauen und laden alle ein, daran mitzuwirken.